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ISS - ISS LF-1 (067) - Discovery (031)  

ISS LF-1
(MPLM-6)

Shuttle Logistikflug zur ISS (STS 114):
6. Versorgungsmission mit dem italienischen Mehrzweck-Logistikmodul.


» Daten:
Start:  26. Juli 2005, 14:39 GMT
Ziele:  Außenbordmanöver: 30. Juli 2005, 09:46 GMT
Außenbordmanöver: 01. Aug. 2005, 08:42 GMT
Außenbordmanöver: 03. Aug. 2005, 08:48 GMT
Ende:  09. Aug. 2005, 12:12 GMT
Landung (Erde)
» Crew:  Collins, Kelly, Robinson, Thomas, Lawrence, Camarda, Noguchi
» Nutzlast:  ISS LF-1, MPLM "Raffaello"

Bild vergrößernAndrew S. W. Thomas beim Prüfen der Hitzeschutzkacheln des Shuttles
©NASA

Zweieinhalb Stunden vor dem ursprünglich für den 13. Juli geplanten Start musste dieser wegen eines Sensordefekts abgebrochen werden. Einer von vier Niedrigfüllstandssensoren im Wasserstofftank des Außentanks hatte falsche Werte an das Konztrollzentrum übermittelt. Obwohl die Fehlerursache trotz intensiver Suche nicht ermittelt werden konnte, startete die Discovery am 26. Juli 2005 planmäßig ohne weitere Verzögerungen um 16:39 (MESZ). Zwar funktionierten die Treibstoffsensoren dieses Mal problemlos, Auswertungen der Bilder vom Start des Shuttles zeigten jedoch, dass während des Starts ein etwa 61 mal 74 Zentimeter großes Stück Schaumisolierung vom externen Treibstofftank abgebrochen war. Die ersten Analysen ergaben jedoch, dass es dabei nicht zu einer folgenschweren Beschädigung der Hitzeschutzkacheln kam, wie im Fall der Vorgängermission mit der Columbia, die in Folge der Beschädigungen beim Landeanflug auseinander gebrochen war. Die Tatsache, dass sich erneut ein großes Stück Isolierschaum vom Außentank gelöst hatte, zwang die Verantwortlichen der NASA jedoch, bis auf Weiteres alle folgenden Space-Shuttle-Flüge auszusetzen, um endlich eine Lösung für dieses Problem zu finden. Weitere Versorgungsflüge mit dem Space Shuttle zur Internationalen Raumstation und der weitere Ausbau der ISS sind damit vorerst gestoppt.

Sobald sich die Discovery im Orbit befand, wurde mit dem Orbiter-Ausleger-Sensor-System (OBSS) die Außenhülle des Space Shuttles auf eventuelle Schäden untersucht. Es war nach dem Columbia-Unglück eigens für diesen Zweck entwickelt worden und ist eine Verlängerung des Roboterarms des Shuttles. Auf diese Weise konnten neun von elf Bereichen auf Schäden untersucht werden, die möglicherweise beim Start entstanden waren. Die Untersuchung der beiden anderen Bereiche wurde Bestandteil des ersten Außenbordmanövers der Mission.

Am 28. Juli näherte sich die Discovery schließlich der Internationalen Raumstation, wobei ein spektakuläres 360-Grad-Manöver durchgeführt wurde, bei dem die Besatzung der Station hochauflösende Aufnahmen des Shuttle-Hitzeschildes anfertigte. Bei der Auswertung dieser Bilder wurden mehrere kleinere Beschädigungen der Hitzeschutzkacheln festgestellt. Diese sind nach Aussage des stellvertretenden Leiters des Shuttle-Programms, Wayne Hale, kein Grund zur Beunruhigung, da vergleichbare Schäden auch bei vergangenen Starts der Space Shuttles aufgetreten und in diesem Fall deutlich sogar geringer als bei früheren Missionen waren.

Am 29. Juli wurde das italienische Mehrzweck-Logistikmodul "Raffaello" mit dem stationseigenen Roboterarm (Canadarm2) aus der Ladebucht des Shuttles gehievt und für die Dauer der Mission am Kopplungsstutzen des Verbindungsmoduls Unity der Station angedockt. Nach der Öffnung der Luken wurden damit begonnen, die sich in dem Modul befindende Fracht zu entladen und es mit nicht mehr gebrauchten Nutzlasten zu beladen, damit diese später mit dem Shuttle zur Erde zurückgebracht werden können. Am selben Tag wurde außerdem mit dem Shuttleeigenen OBSS die Unterseite des Rumpfs der Discovery nach eventuellen Beschädigungen untersucht, wobei die Arbeit diesmal mit einer am Canadarm2 befestigten Kamera beobachtet werden konnte.

Der erste Weltraumspaziergang (EVA) fand planmäßig am 30. Juli statt. Soichi Noguchi und Steve Robinson verließen die Discovery durch die Luke in der Ladebucht des Shuttles. Gleichzeitig wurde die Ausstiegsluke der stationseigenen Luftschleuse Quest geöffnet, um den beiden Astronauten als Ersatzzufluchtsort zu dienen. Während des 6 Stunden und 50 Minuten dauernden Außenbordmanövers wurde eine Technik getestet, mit der Hitzekacheln des Space Shuttles während einer Mission im Weltraum ausgetauscht werden können. Als Übungsmaterial dienten speziell präparierte Kacheln und Panele in der Ladebucht des Shuttle. Im weiteren Verlauf installierten die beiden eine Halterung für eine neue, externe Stauplattform an der Luftschleuse Quest und ersetzten eine GPS-Antenne am Verbindungsträger ITS Z1 der Station. Mit der Verlegung eines neuen Stromkabels zum zweiten Kreiselstabilisator der Station und Vorbereitungen für den Austausch eines defekten Gyroskops endeten die Arbeiten. Später an diesem Tag gab die NASA bekannt, dass die Mission des Shuttles um einen Tag verlängert werden soll, um der Besatzung mehr Zeit für weitere Arbeiten an der Raumstation zu geben.

Während eines zweiten EVA am 1. August - dem 60. im Rahmen der Bauarbeiten an der ISS - wurde von Noguchi und Robinson einer der vier Kreiselstabilisatoren (CMG, Control Moment Gyroscope) ausgetauscht. Der Ausfall hatte die Manövrierfähigkeit der ISS in ihrer derzeitigen Ausbaustufe zwar nicht gefährdet, ein vierter Kreiselstabilisator ist jedoch notwendig, um die Fluglage der Station weiterhin problemlos zu korrigieren, wenn der geplante Ausbau der Hauptgitterstruktur weiter fortschreitet. Da die Arbeiten schneller als geplant durchgeführt werden konnten, blieb sogar noch etwas Zeit für vorbereitende Arbeiten für künftige EVAs.

Bei einem dritten Außenbordmanöver am 3. August wurde zunächst eine weitere externe Stauplattform (ESP-2, External Stowage Platform) für Ersatzteile an der Luftschleuse Quest montiert. Anschließend kam es zu einer Premiere: Erstmals wurden an einem Space Shuttle im All Reparaturen vorgenommen. Dabei entfernte Stephen Robinson zwei überstehende Teile des Füllmaterials zwischen den Hitzekacheln an der Unterseite der Raumfähre. Mit den Füssen am fast 18 Meter langen Roboterarm der ISS befestigt, wurde Robinson direkt an die schadhaften Stellen herangefahren. Das erste der beiden hervorstehenden, mit Keramik verstärkten Isolierplättchen entfernte er unkompliziert mit seinen Händen und bemerkte lapidar: "Ich werfe es einfach in meinen Müllbeutel." Auch das zweite Füllteil konnte Robinson problemlos ohne Werkzeug herausziehen.

Das Füllmaterial ist für den Hitzeschutz beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre unnötig - es wird benötigt, um beim Start akustische Vibrationen zu dämpfen. Dennoch befürchtete man bei der NASA, dass das Hervorstehen einzelner Isolierstücke bei einer Geschwindigkeit von weit mehr als 20.000 Kilometern pro Stunde zu unerwünschten Luftwirbeln führen könnte, die den Shuttle überhitzen und zerstören könnten. Vor der Reparatur ragten die Stücke rund 2,5 Zentimeter aus den Kacheln hervor, die Sicherheitsstandards erlauben aber höchstens 0,6 Zentimeter.

Am nächsten Tag kam dann das offizielle Go des Mission Management Teams für das Ende der Mission mit einer für den 8. August geplanten Landung. Zuvor war ein weiteres Außenbordmanöver in Erwägung gezogen worden, um eine Beschädigung unterhalb des Kommandanten-Fensters des Shuttles zu reparieren. Aufgrund von Windkanaltests am Ames Research Center und Computeranalysen der beschädigten Abdeckung wurde das Risiko jedoch gering eingestuft, dass sich die Abdeckung als Ganzes lösen und so eine Gefahr für den hinteren Teil des Orbiters darstellen würde. Man rechne zwar damit, dass sich kleinere Teile dieser Abdeckung lösen könnten, diese würden aber nicht zu einer Beschädigung des Orbiters führen.

Nachdem das Mehrzweck-Logistikmodul "Raffaello" am 11. Missionstag wieder in der Ladebucht des Shuttles verstaut worden war, erfolgte am nächsten Tag (7. August) die Abkopplung der Discovery von der Raumstation. Die Landung der "Discovery" war für Montag, den 8. August auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral vorgesehen. Doch wieder kam alles ein wenig anders als geplant. Eine Wolkendecke über dem Landegebiet zwang zu einer Verschiebung um einen Tag. Doch auch am Dienstag war eine "normale" Landung in Florida wegen schlechten Wetters nicht möglich. Da die Crew Nasa-Angaben zufolge nur noch für einen weiteren Tag genug Sauerstoff und Wasser hatte, entschloss sich die NASA, für eine Landung am selben Tag auf die rund 150 Kilometer von Los Angeles entfernte Edwards-Basis auszuweichen. So endete der "Krimi im Weltraum" schließlich am 9. August um 5.12 Uhr Ortszeit (14.12 Uhr MESZ) auf der Luftwaffenbasis in der kalifornischen Mojave-Wüste. Es war die 50. Landung eines Shuttle in Edwards und die erste in Dunkelheit seit 1991.

Nächste Mission:
» ISS AF-19P





 
 
 
 

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22.02.2015

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