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Wostok - Wostok 1 (008) - Wostok A1 (008)  

Wostok 1

Der erste bemannte Weltraumflug in der Geschichte der Menschheit.

» Daten:
Start:  12. Apr. 1961, 06:07 GMT
Ende:  12. Apr. 1961, 07:55 GMT
Landung (Erde)
» Crew:  Gagarin
» Nutzlast:  Leergewicht im Orbit: 4.725 kg

Bild vergrößernAuf dem Weg zum Start
©GSFC/NASA

Wostok 1 wurde um 09.05 Uhr Moskauer Zeit (07.05 MEZ) von Baikonur in Kasachstan in eine Umlaufbahn um die Erde geschossen. Die Trägerrakete war insgesamt 38 m hoch und am unteren Ende 10 m breit, das Eigengewicht des Raumschiffs betrug 4.725 kg - ohne die letzte Stufe der Trägerrakete. Während des Flugs war das Geräusch in der Kapsel nicht lauter als das im Cockpit eines Düsenflugzeugs. Offiziellen sowjetischen Quellen zufolge stand Gagarin in ständiger Sprechfunkverbindung zur Bodenstation auf der Erde. Die Kontrolle der Instrumente des Raumschiffes während der Erdumkreisung, die Kursbestimmung und das Rückholmanöver erfolgten jedoch automatisch. Für den Fall des Auftretens eines unvorhergesehenen Ereignisses bestand für den Kosmonauten allerdings auch die Möglichkeit, das Raumschiff selbst zu steuern.

Bild vergrößernEintreffen am Startplatz
©S.P.Korolev RSC Energia

Die drei Bullaugen der Wostok-Kapsel aus hitzebeständigem Glas gaben Gagarin die Möglichkeit, während der ganzen Flugzeit hinauszublicken und Beobachtungen anzustellen. Gagarin saß in einem Schleudersitz und trug einen speziellen Druckanzug. Eine Klimaanlage sorgte ständig für normale Druckverhältnisse und eine normale Sauerstoff-Konzentration in der Kapsel. Dabei wurden eine Kohlendioxid-Konzentration von nur 1 Prozent, eine Temperatur zwischen 15 und 22° C und eine relative Feuchtigkeit zwischen 30 und 70 Prozent aufrechterhalten. Die Wiederaufbereitung der Luft erfolgte mittels hochaktiver chemischer Verbindungen, ein Flüssigkeitskühlmittel absorbierte die Hitze in der Kapsel.

Bild vergrößernChruschtschow & Gagarin
©S.P.Korolev RSC Energia

Das Fernsehsystem an Bord ermöglichte es der Bodenstation, den Zustand des Kosmonauten unter ständig zu beobachten, wobei ihn eine Kamera von vorn, die andere im Profil erfasste. Eine Ultrakurzwellen-Funkverbindung diente dem Sprechkontakt mit der Bodenstation über eine Entfernung von bis zu 2.000 km. Die Wostok-Kapsel war in zwei Bereiche unterteilt: die eigentliche Pilotenkabine und eine Abteilung für die Rückstoßrakete und diverse Instrumente. Lebensmittelvorrat, Wasser und Elektrizität an Bord waren für eine Flugdauer von bis zu 10 Tagen ausgelegt. Dies war der Zeitraum, nach dem die Kapsel auch bei einem Versagen der Zündung der Rückstoßraketen für den geplanten Wiedereintritt aufgrund der Bremswirkung der Erdatmosphäre in eine Abstiegsbahn eingetreten wäre.

Bild vergrößernTitelheld
©LIFE/TASS

Nach dem Flug beschrieb Juri Gagarin das, was er sah und erlebte: "Die von der Sonne beschienene Seite der Erde war sehr klar sichtbar. Die Küsten der Kontinente, die Inseln, die großen Ströme, breiten Wasserflächen und Gebirgszüge ließen sich unterscheiden, Ich sah zum ersten Mal die Kugelgestalt der Erde. Ihre Krümmung wurde erkennbar, wenn man zum Horizont schaute. Der Anblick des Horizonts war einzigartig und von großer Schönheit. Besonders eindrucksvoll fand ich den Übergang von der hellen Erdoberfläche zum vollkommenen schwarzen Himmel, an dem die Sterne zu sehen waren. Diese Trennungslinie ist sehr dünn, eine Art Film, der den Globus umgibt. Er ist von zartblauer Farbe. Der Übergang von Blau zu Schwarz ist reich abgestuft und sehr schön. Als ich aus dem Erdschatten empor tauchte, sah der Horizont anders aus. Er zeigte sich zuerst als orangefarbener Streifen, der sich später in Blau und schließlich in Pechschwarz auflöste. Den Mond sah ich nicht. Die Sonne ist hier im Weltraum Dutzend Mal heller als auf der Erde. Die Sterne sind klar sichtbar - hell und deutlich. Das ganze Bild des Firmaments ist viel kontrastreicher, als es sich von der Erde aus zeigt..."

Bild vergrößernGagarin & Chruschtschow auf dem Roten Platz
©S.P.Korolev RSC Energia

"...Wenn die Schwerelosigkeit eintritt, haben Arme und Beine kein Gewicht mehr, die Gegenstände schweben in der Kabine umher. Ich saß nicht mehr wie vorher in meinem Sitz, sondern hing mitten in der Luft. Während des Stadiums der Schwerelosigkeit aß und trank ich, arbeitete und legte meine Beobachtungen fest. Meine Handschrift veränderte sich nicht obwohl meine Hand nicht das geringste Gewicht hatte. Mein Notizbuch musste ich während des Schreibens festhalten, da es mir sonst unter der Hand weg geglitten wäre. Ich hielt über verschiedene Übertragungswege die Verbindung mit der Erde aufrecht; auch tippte ich die Telegrafentaste. Der Übergang von der Schwerelosigkeit im Raum zurück in den Schwerkraftsbereich ist weich. Beine und Arme fühlen sich an wie vorher - aber jetzt haben sie wieder Gewicht. Ich schwebte nicht länger mehr über meinem Sitz, sondern setzte mich bequem wieder darin zurecht..."

Bild vergrößernDer letzte Flug
©S.P.Korolev RSC Energia

"...Ich fand es leicht, im Inneren des Schiffes zu arbeiten. Ich fühlte mich wohl, und mein Geisteszustand war ausgezeichnet. Ich hätte den Flug im Weltraum noch lange fortsetzen können. Doch die Dauer meines Fluges war im Voraus festgelegt. Es ist mein Wunsch, mein Leben der neuen Wissenschaft zu widmen, die die Eroberung des Weltraums zum Ziel hat. Ich möchte zur Venus fliegen und sehen, was hinter ihren Wolken verborgen ist. Ich möchte auch gern den Mars besuchen, um selbst festzustellen, ob es auf diesem Planeten tatsächlich Kanäle gibt. Der Mond ist kein so entfernter Nachbar - ich glaube wir werden nicht allzu lange warten müssen, bis wir zu ihm fliegen und auf ihm landen können."

Nächste Mission:
» Wostok 2





 
 
 
 

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22.02.2015

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Autor dieses Artikels:  Redaktionsbüro cclive

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